Tagtraum im Wasser

Ich wählte die leuchtende Glastür. Vorsichtig machte ich einen Schritt in dieses leuchtende Blau – und fiel… Moment! Ich fiel ja gar nicht. Ich schwebte… im Wasser!

Vorsichtig sah ich mich um. Dann fiel mein Blick auf meine Beine. Naja… dort, wo meine Beine eigentlich sein sollten. Denn statt meiner Beine sah ich nur eine Flosse – eine echte Meerjungfrauenflosse, wie aus einem Kinderbuch.

Mit einem Finger fuhr ich über die Schuppen, die sich von meiner Hüfte bis zu meinen nicht mehr vorhandenen Füßen erstreckten. Sie waren türkis, an manchen Stellen leicht dunkelgrün gefärbt und schimmerten wunderschön im Wasser.

Plötzlich kam mir ein beunruhigender Gedanke: Wie konnte ich eigentlich seit ein paar Minuten unter Wasser atmen?

Panik stieg in mir auf. Wie im Schwimmbad versuchte ich, zur Oberfläche zu paddeln. Doch selbst als ich mit meiner Flosse in Richtung Licht schwamm, kam ich nicht nach oben. Egal, wie sehr ich mich anstrengte – ich erreichte die Oberfläche nicht. Mir wurde gleichzeitig heiß und kalt, meine Hände begannen zu zittern und mein Herz schlug mir bis zum Hals.

Da spürte ich plötzlich etwas Kaltes und Glitschiges an meinem Arm. Ich erstarrte kurz. Langsam drehte ich mich um.

„Hey, was ist los, Nixe?“, fragte mich ein kleiner, neonpink leuchtender Fisch mit großen Augen.

„Ahhh!“, schrie ich erschrocken.

„Hey, was ist los, Nixe?“, wiederholte der Fisch ruhig. „Ich bin doch nur ein kleiner pinker Fisch. Warum hast du Angst vor mir?“

„H-hey… pinker Fisch…“, stotterte ich mit zitternder Stimme. „OMG!!!“

Dann wurde mir plötzlich etwas klar: Ich konnte ja atmen! Mit meiner Hand berührte ich meinen Hals. Links und rechts spürte ich kleine Öffnungen – wie Kiemen.

„Bleib locker“, sagte der Fisch grinsend. „Chill einfach mal und bleib cool – wie ein Otter!“

Nachdem er mir gezeigt hatte, wie ich mich richtig mit meiner Flosse fortbewege, stellte er sich vor: „Mein Name ist übrigens Perle. Und wie heißt du?“

Doch bevor ich antworten konnte, riss mich ein riesiger Strudel im Wasser mit sich. Alles wirbelte um mich herum, und als ich wieder etwas erkennen konnte, stand ich plötzlich wieder auf dem Gang.

Davor hatte mir Perle noch seine Unterwasserwelt gezeigt. Er führte mich durch sein Reich und zeigte mir einen riesigen Unterwasserfelsen, in dem er wohnte. Überall waren Korallen, Algen und Seegras, die wunderschön im Wasser schwebten. Danach schwammen wir zurück in tiefere Gewässer, wo wir uns besser kennenlernen wollten.

Gerade als ich ihm meinen Namen sagen wollte, sah er mich an, als hätte er meine Gedanken gelesen, und sagte: „Mein Name ist übrigens Perle – und wie heißt du?“

Doch wieder konnte ich nicht antworten. Der Strudel hatte mich endgültig zurückgerissen.

Nun stand ich wieder am Anfang – ohne Flosse, ohne nasse Haare – als wäre alles nur ein Tagtraum gewesen…

Da erschienen auf einmal zwei im Wasser schwebende Türen vor mir…