Meine Hand zitterte, als ich den Griff umschloss. Das Holz fühlte sich warm an, fast lebendig. Ich drückte die Klinke hinunter und zog. Hinter der Schwelle sah ich nichts als tiefes, sattes Grün, das sich bewegte, flüsterte und atmete. Ich trat hindurch – und der Boden unter meinen Füßen verwandelte sich in weiches Moos.
Hitze schlug mir entgegen, schwer und feucht wie ein nasses Tuch. Über mir wölbten sich Baumkronen so dicht, dass der Himmel nur noch als grünes Dämmerlicht zu erahnen war. Lianen hingen von den Ästen wie Schlangen, und überall zirpte, pfiff und kreischte es. Ich stand mitten im Dschungel.
Ich wusste nicht, wie lange ich lief. Der Wald schien keine Richtung zu kennen, keine Wege – nur dieses ewige Wachsen und Sterben. Dann hörte ich etwas. Ein Geräusch, das ich vorher nicht bemerkt hatte. Es klang wie Schluchzen. Ich folgte dem Klang und fand zwischen riesigen Farnen ein kleines Wesen, das auf dem Boden hockte.
Es sah aus wie ein Affe, doch sein Fell schimmerte silbrig im dämmerigen Licht. Es weinte. Ich weiß nicht, warum, aber ich setzte mich einfach neben es. Lange saßen wir dort, ohne ein Wort, ohne eine Bewegung. Irgendwann hielt das Wesen inne, sah mich mit Augen an, so tief wie der Wald selbst, und legte seine kleine, warme Hand auf meine.
In diesem Moment verstand ich etwas. Nicht mit Worten, sondern mit dem Herzen: Dass man manchmal einfach da sein muss. Dass manche Wege nicht zu einem Ziel führen, sondern zu einem anderen Wesen. Und dass die besten Abenteuer nicht die sind, die man sucht, sondern die, die einen finden.
Irgendwann stand ich auf und ging zurück. Die Tür stand noch da, wo ich sie verlassen hatte. Bevor ich hindurchtrat, drehte ich mich um. Das silbrige Wesen saß auf einem Ast und sah mir nach. Es winkte nicht. Es lächelte nur.
Als ich zurückging, stand ich wieder im Flur:

